Startseite

Magen-Darm-Tag 2018

Freund oder Feind, Fakt oder Fiktion: die Bedeutung von Mikroorganismen im Verdauungstrakt für unsere Gesundheit

Das mikrobielle Ökosystem unseres Verdauungstraktes, das „Mikrobiom“, spielt für den menschlichen Körper eine wichtige Rolle. Zu seinen Aufgaben zählen unter anderem die Verdauung von Nährstoffen, die Förderung der Darmperistaltik sowie die Bildung von Vitaminen.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen zudem einen Zusammenhang zwischen der Veränderung des Mikrobioms und dem Auftreten verschiedener Erkrankungen, wie chronisch entzündlicher Darmerkrankungen, Allergien und Übergewicht.

Obwohl die Mikrobiomforschung noch am Anfang steht, stellen die aktuellen Erkenntnisse über das Mikrobiom einen neuen Ansatz zur Behandlung und zur Vorbeugung von Erkrankungen dar.

Was ist das Mikrobiom?

Das gastrointestinale Mikrobiom stellt die Gesamtheit aller im Verdauungstrakt vorkommenden Mikroorganismen dar. Der Mensch lebt mit vielen dieser Mikroorganismen in Symbiose. Das heißt, er profitiert als Wirt von der Anwesenheit der Mikroorganismen, während er dem Gast Nahrung und Lebensraum zur Verfügung stellt.

Zu den vielfältigen Aufgaben des Mikrobioms gehören:

  • die Nahrungsverwertung,
  • die Produktion von Vitaminen (Vitamin B1, B2, B6, B12, K),
  • die Versorgung der Darmwandzellen mit Nährstoffen,
  • die Regulation des Immunsystems,
  • die Regulation der Darmperistaltik sowie
  • der Schutz vor der Besiedlung durch pathogene Mikroorganismen.

Der Mensch erwirbt das Mikrobiom überwiegend während der Geburt, wenn er mit dem mütterlichen Mikrobiom in Kontakt kommt. Welche Mikroorganismen den Körper besiedeln, hängt deshalb einerseits von der Art der Entbindung – eine natürliche Geburt oder ein steriler Kaiserschnitt – und andererseits von der Ernährung des Säuglings ab. Bis zum dritten Lebensjahr unterscheidet sich die Zusammensetzung des Mikrobioms von der im späteren Erwachsenenalter. Danach bleibt sie überwiegend unverändert.

Mikroorganismen als Auslöser von Erkrankungen

Der Mensch lebt jedoch nicht mit allen Mikroorganismen im Einklang. Pathogene Mikroorganismen können verschiedene Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes auslösen. Dazu gehören sowohl akute Erkrankungen, wie Entzündungen oder parasitäre Erkrankungen, als auch chronische Erkrankungen. Ein Beispiel ist die Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori, die zu akuten Geschwüren, aber auch zu Magenkrebs führen kann.

Neue Erkenntnisse revolutionieren die Medizin

Mit der Untersuchung und Charakterisierung des Mikrobioms im letzten Jahrzehnt ist den Forschern ein Durchbruch gelungen: Sie stellten einen Zusammenhang zwischen der Veränderung des Mikrobioms und verschiedenen Erkrankungen, wie chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, dem sogenannten Reizdarm und Reizmagen, Übergewicht und Fettleber, her. Auch extraintestinale Erkrankungen, wie Autismus, Alzheimerdemenz und Depressionen, werden im Zusammenhang mit dem Mikrobiom diskutiert.

Diese Forschungsergebnisse führten zu einem neuen Verständnis von Krankheitsmodellen und deren Therapie. Das Mikrobiom könnte damit als Schlüssel zu einer verbesserten Behandlung und zur Vorbeugung von Krankheiten dienen.

Folgende Faktoren können das Mikrobiom beeinflussen:

  • Alter
  • Umweltbedingungen
  • Ethnie
  • Geografie, Reisen
  • Ernährungsweise
  • Gesundheitsstatus
  • körperlicher und psychischer Stress
  • Medikamenteneinnahme, z. B. Antibiotika

Kann zu viel Hygiene dem Körper schaden?

Zu viel Stress oder eine ungesunde Ernährung können das Mikrobiom negativ beeinflussen. Als weiterer negativer Faktor wird auch eine möglicherweise mangelhafte Kolonisierung des Magen-Darm-Trakts mit Mikroorganismen in der Kindheit diskutiert. Dieser Ansatz wird von Experten als Hygienehypothese bezeichnet.

Gemäß dieser Hypothese ist die geringe Anzahl an Mikroorganismen, denen Kinder in Industrieländern aufgrund der keimreduzierten Hygienebedingungen ausgesetzt sind, für die Entwicklung eines gesunden und regulierten Immunsystems hinderlich.

Ein unausgewogen reguliertes Immunsystem kann zu einer Immunabwehrreaktion gegenüber körpereigenen Zellen oder unschädlichen Allergenen, zum Beispiel Pollen, führen. Die Folgen können Autoimmunerkrankungen oder Allergien sein.

Unterstützt wird die Hypothese durch den weltweiten Anstieg an Patienten mit Allergien und Autoimmunerkrankungen in Industrienationen in den letzten Jahrzehnten. Zu diesen Autoimmunerkrankungen zählen auch chronisch entzündliche Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Ein vielversprechender Therapieansatz ist darum die medikamentöse Regulation des Immunsystems, welche beispielsweise bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen erfolgreich eingesetzt wird.

Therapeutische Möglichkeiten

Die Erkenntnis des Zusammenhangs zwischen Erkrankungen und der Veränderung des Mikrobioms stellt auch eine neue Möglichkeit zur Therapie oder Prävention von Erkrankungen dar – beispielsweise durch eine therapeutische Änderung oder Verbesserung des Mikrobioms.

Das kann über verschiedene Methoden erreicht werden. Dazu gehören unter anderem spezifische Diäten oder ─ beispielsweise bei einer Fehlbesiedlung des Dünndarms ─ Antibiotika.

Ein weiterer Ansatz sind Probiotika, die bestimmte lebensfähige Bakterienstämme enthalten und so die Ansiedlung der „guten“ Mikroorganismen unterstützen sollen.

Ein vielleicht etwas ungewöhnliches Therapieverfahren ist die Stuhltransplantation. Dabei werden Bakterien, die aus einer Stuhlprobe eines gesunden Menschen gewonnenen wurden, auf einen erkrankten Patienten übertragen. Bei einer durch Clostridium difficile verursachten Darmentzündung ist die Stuhltransplantation eine erfolgreiche Therapie, mit der die Entzündung vollständig und dauerhaft ausgeheilt werden kann.

Diagnostikverfahren zur Charakterisierung des Mikrobioms (Kopie 1)

Vor nicht allzu langer Zeit wurden Mikroorganismen zur Identifizierung und Charakterisierung im Labor unter verschiedenen Wachstumsbedingungen kultiviert. Dies ist jedoch eine zeitaufwändige und schwierige Methode, zudem sich nicht alle Mikroorganismen unter Laborbedingungen kultivieren lassen.

Mit der Weiterentwicklung molekularbiologischer Analyseverfahren zur Untersuchung von Genmaterial konnten auch im Bereich der Mikrobiomforschung große Fortschritte gemacht werden. Dadurch lassen sich heutzutage aus der Stuhlprobe eines Patienten im Hochdurchsatzverfahren in kurzer Zeit die enthaltenen Mikroorganismen nachweisen, welche Hinweise auf Erkrankungen oder Veränderungen des Mikrobioms geben können.

Erfahren Sie mehr am Magen-Darm-Tag 2018

Möchten Sie mehr über die Bedeutung von Mikroorganismen für unsere Gesundheit erfahren?

Die Gastro-Liga richtet am 3. November 2018 bundesweit stattfindende Informationsveranstaltungen aus. Betroffene, Angehörige und Interessierte können bei Vorträgen und anhand des ausführlichen Informationsmaterials mehr über das Thema Mikrobiom erfahren.

Im Zentrum der Veranstaltungen stehen dabei vier Themenkomplexe:

  1. Was ist das gastrointestinale Mikrobiom, wie entsteht es und welche physiologische Rolle spielen Darmbakterien beim Gesunden?

  2. Wie wird das gastrointestinale Mikrobiom charakterisiert? Welche Untersuchungstechniken stehen dem Arzt und Patienten heute zur Verfügung und hilft es, wenn ich mein Mikrobiom untersuchen lasse?

  3. Mikrobiom und ausgewählte Erkrankungen: Entzündliche Darmerkrankungen, Allergien, Übergewicht, chronische Lebererkrankungen

  4. Kann ich mein Mikrobiom verändern, um meine Gesundheit zu verbessern? Diät, Antibiotika, Prä- und Probiotika, Stuhltransplantation. Wirken manche pflanzlichen Arzneimittel möglicherweise auch über eine Beeinflussung des Mikrobioms?

Parallel zu den Veranstaltungen werden telefonische Hotlines angeboten, über die medizinische Experten zu Erkrankungsbildern und deren Therapiemöglichkeiten befragt werden können.

Alle Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen und telefonischen Hotlines finden Sie hier

Mit freundlicher Unterstützung von 

  • Vifor Pharma Deutschland GmbH, München
  • Kibion GmbH, Bremen
  • Norgine GmbH, Marburg
  • Salus Haus Dr. med. Otto Greither Nachf. GmbH & Co. KG, Bruckmühl
  • Microbiotica GmbH, Inning/Ammersee

Mitglieder - Login

Benutzeranmeldung

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
Anmelden